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Radikale Vorabenddemonstration am 27.11.2009 um 18 Uhr in Recklinghausen am HBF. Aufruf:

Am 28.11.2009 rufen „Autonome Nationalisten“ aus dem Dunstkreis der AG Ruhr Mitte zu einer von Christian Worch angemeldeten Demonstration am Recklinghäuser Hauptbahnhof auf. Da die Veranstalter/innen kein Geheimnis daraus machen, dass sie sich als ideologische Erben des Nationalsozialismus verstehen, könnte das Motto der Demonstration “Recht auf Zukunft! Arbeit, Freiheit, Brot durch den Nationalen Sozialismus!” auch von einem Propagandaplakat der NSDAP entnommen worden sein.

Dreist und ignorant wird das Dritte Reich und die vermeintlichen Errungenschaften in den Aufrufen der Nazis als “eine Zeit voller Liebe, Glück und Hoffnung” bezeichnet. Doch, der Nationalsozialismus war alles andere als eine “schöne Zeit” , sondern der barbarischste und perverseste Moment des 20. Jahrhundert. Dies wird mit seinem (positiven) Programm des Volkes, der Nation und des Vaterlandes in den Hintergrund gestellt.

Die Inhalte der “ANs” sind von klassischen Nazithemen, wie “kapitalistische Krise, jüdischer Finanzkapitalismus, Überfremdung, Ausländerkriminalität, Inflation, aufgezwungene Demokratie, Vereinzelung der Menschen, Niedergang des Volkes, Arbeitslosigkeit usw.” und irrationalen, oberflächlichen Analysen und Verbesserungsvorschlägen bestimmt. Überfremdung und Islamisierung werden zum Dauerthema, wenn es um den „deutschen Restbestand“ im eigenen Land geht. Die letzten “deutsch- völkischen” Werte, repräsentiert von einer selbst ernannten Elite, die allen negativen Begrifflichkeiten, wie 2. Weltkrieg, Holocaust, Völkermord trotzig den letzten Ausweg aus der aktuellen Misere entgegen hält- nämlich die Volksgemeinschaft!

Nationalkollektive als geschlossene Einheit

Der Gedanke des „nationalen Kollektivs“ ist kein Alleinanspruch der Nazis, auch die demokratischen BrügerInnen sorgen sich um das Wohl ihrer Nation und damit um ihren Staat. Jede und Jeder achtet darauf,dass nicht für “Schmarotzer”, sondern fleißig zum „Wohle der Gemeinheit“ geschuftet werden soll. Dabei ist die ideologische Verkleisterung dieser vorgestellten Gemeinschaft unterschiedlich. Vom Verfassungspatrioten hört man den Ruf nach Bekenntnis zum eigenen Staat, von Nazis jenen nach Herkunft und Rasse. Gemein bleibt ihnen die Sondierung nach Verwertbarkeit bzw. Lebensrecht jener „glücklichen“ die Teil des Kollektiv sein dürfen und jenen, die, die auf ihrer Flucht in ein vermeintlich besseres Leben an den Grenzen sterben dürfen. Diese Art des „Kollektivgedankens“ wollen die Nazis als Sozialismus deklarieren. Die faktischen ökonomischen Realitäten, das vom Kapitalismus produzierte „Oben und Unten“ das alle Menschen global einschließt, bleibt von den Nazis, trotz ihres großspurigen Geredes von „Sozialismus“ im Kern jedoch unangetastet. Stattdessen bemühen sie sich eine in sich konservierte homogene Nation zu propagieren.

Ein Konstrukt das mit Gewalt eine ethnische Reinheit erzeugen will, in der völkische Dazugehörigkeit fest zum Gedanken ihres „Sozialismus“ zählt. Dass eine tatsächliche sozialistische Bewegung nicht auf ein Volk zu beziehen ist, verdeutlicht sich daraus, dass Sozialismus nur ein antinational kooperierender Zusammenschluß sein kann, bei dem nationale Identitäten und die Widersprüche des Kapitalismus überwunden werden müssen.

Die Nation als vorgestellte Schicksalsgemeinschaft gilt als Souverän über alle Lebensbereiche. Dabei begrenzt sie sich nicht nur auf völkischen Rassismus oder Antisemitismus. Die Volksgemeinschaft hält zusammen, gegen jede Art von Eindringlingen oder schädlichen Elementen. D.h. auf dem Weg zu dem Endzustand der Volksgemeinschaft wird das Territorium, auf dem sich die Nation durchsetzt, alles, was nicht in das eigene „Nationenkonzept“ passt, als schädlich für die eigene Nation kategorisiert und aussortiert. Dazu zählen auch Menschen der „eigenen Nation“, die ihre Interessen als widersprüchlich gegenüber, der der „Gemeinschaft“ ansehen. Dabei ist es notwendig, dass die Nation ihre Souveränität gegenüber “unloyalen” (z.B. Hartz VI Empfänger/Innen, Menschen mit Behinderung) oder “fremden” Menschen (z.B.Migranten/Innen) erkennt und durchsetzt. Das Volk, als gesamte Einheit erhebt im gemeinsamen Kampf gegen alles Fremde im Staat. In radikaler Form wird es vom Beherrschten zum Beherrscher und das äußert sich im Nationalen- Sozialismus.

Individuum contra Volksgemeinschaft

Das Volk als Souverän, reduziert das Individuum zu einem Teil der “Volksmasse”. Individualismus, was eine Notwendigkeit in der Überwindung des kapitalistischen Systems und vorherrschenden Machtstrukturen darstellt, erlischt völlig oder wird als “volkszersetzend” betrachtet und mit Repressionen bestraft. Vereinzelung und Konsumfreiheit im Kapitalismus sind auch nicht im Sinne der volksgemeinschaftlichen NS Ideologie. Das „vereinzelte“ Individuum im Kapitalismus wird ersetzt durch die Gemeinschaft lauter “volkstreuer” Individuen. Die neue (Volks-) Identität und Zugehörigkeit beseitigt zum Zwecke der Gemeinschaft alles Selbstbestimmte.

Im gesellschaftlichen Prozess der Emanzipation wird sich das Individuum sich befreien, sobald es nicht mehr von seinen anonymen Zwängen, die sich etwa durch die Klassenwidersprüche verdeutlichen, getrieben wird. Das Individuum erhebt sich, nachdem die vorherrschenden kapitalistischen und machtstrukturellen Zustände als seiner Individualität behindernd angesehen werden. Freiheit, wird nicht als Zustand des Kapitalismus und unüberwindbaren Machtstrukturen verstanden, sondern die Aufhebung beider, führt in die freiheitliche und klassenlose Gesellschaft. Es versteht Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigene Stärke als Notwendigkeit für gesellschaftliche Prozesse. An die Stelle der Herrschaft des Menschen über den Menschen tritt die gemeinschaftliche Vereinigung freier Menschen, die ihr Leben und ihre Bedürfnisse (ohne Staat) selbstständig regeln. Das selbst bestimmte Individuum bildet also die Grundlage für die Überwindung des Kapitalismus und der Nation.

Sozialismus ohne Freiheit endet immer in Tyrannei

Der Sozialismus setzt im anarchistischen oder linkskommunistischen Zusammenhang voraus, dass alle sozialen und hierarchischen Unterschiede aufgehoben werden. Jede volksgemeinschaftliche Zusammensetzung verkörpert, wie oben beschrieben, Strukturen, in denen Macht, Zwang und politische Ungleichheiten notwendig sind, um die Legitimation des Systems aufrecht zu erhalten. Auf politische und soziale Unterschiede wird nur mit Repression und Gewalt reagiert, sobald Bedürfnisse entstehen, die nicht mit der “Gemeinschaft” in Einklang stehen.
Während der NS Zeit wurden Gewerkschaften und andere soziale Einrichtungen verboten, Betriebe militärisch straff geführt und Arbeitsrechte eingeschränkt oder Zwangsarbeit (Reichsarbeitsdienst) kompromisslos durchgesetzt.

Auch die Produktionsverhältnisse und Klassengegensätze des Kapitalismus werden im radikalsten Ausdruck der Volksgemeinschaft nicht überwunden und gar durch alternative Produktionsweisen ersetzt, sie werden lediglich verlagert. Der Staat funktioniert als Gesamtkapitalist, dies zentralisiert zwar das Kapital von vielen verschiedenen Verwaltern auf den Staat als alleinigen Verwalter oder von Staat ernannte Verwalter, die Auswirkungen sind jedoch kaum vorstellbar. Produziert wird für das Wohlergehen der Gemeinschaft, Einzelschicksale werden ignoriert und unterdrückt. Im Gegensatz zur Volksgemeinschaft wäre der Sozialismus durch freiwillige Mit- und Zusammenarbeit und nicht durch Zwang und Repression bestimmt. Durch Zusammenarbeit und Mitbestimmung auf allen Ebenen, werden soziale und politische Unterschiede von der Basis bewusst aufgenommen und Verbesserungen werden unter gemeinsamer Selbstverwaltung angestrebt und in die Tat um gesetzt. Die Produktionsmittel und die Produktion werden unter Eigenregie von allen für alle verwaltet. Erst diese Tatsache hebt die Klassenwidersprüche auf, die auch in der radikalen Volksgemeinschaft weiter herrschen.

Fight the game!

Freiheit drückt sich durch die aktive Beteiligung über Prozesse aus, die sich nicht nur in der Umwelt abspielen, sondern auch das eigene Leben betreffen und zur Aufhebung der alltäglichen vom kapitalistischen System reproduzierten Widersprüche führt. Entscheidungen werden selbstbewusst und eigenverantwortlich übernommen und nicht mehr in die Hände anderer gelegt, wie es etwa in der bürgerlichen Demokratie oder natürlich im Nationalsozialismus in extremer Form der Fall ist.

Letztendlich können die Verhältnisse, die die sozialen Ungerechtigkeiten und hierarchischen Unterschiede produzieren, nur von der lohnabhängigen Klasse selber überwunden werden. Eben jene Verhältnisse, die den Menschen knechten und zur stummen Akzeptanz des bloßen “Weitermachens” für einen wackeligen Arbeitsplatz, um wenigstens ein bisschen vom großen “Reichtum” zu ergattern, hinreißen. Dort, wo die kapitalistischen Widersprüche, die Menschen zwingen sich zusammen zu schließen, um ihre Interessen und Bedürfnisse zu verteidigen und/oder durchzusetzen, gilt es die Frage nach Freiheit und Gleichheit neu zu stellen. Das kann in Schulen, Universitäten, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft usw. sein. Selbstverwaltung und das Vertrauen in die eigene Person geben das Selbstvertrauen, die resultierenden Missstände selber in die Hand zu nehmen und Verbesserungen zu erkämpfen. Verbesserungen drücken sich dann bald nicht mehr nur auf lokaler Ebene aus, ein Netz von basisdemokratischen, freiwilligen, aber logisch erscheinenden, kooperierenden unterschiedlichen Zusammenschlüssen, geben jedem/r die Möglichkeit eigene Bedürfnisse und Vorlieben durchzusetzen und zu verändern.

Diese von der Basis kontrollierten Verhältnisse stehen folglich im Widerspruch zu dem des Systems und geben schließlich den Impuls zur Überwindung des gesamten Systems- in die selbst verwaltete und freiheitliche Gesellschaft. Individuelle Fähigkeiten mit dem richtigen Selbstbewusstsein sind daher auf keinen Fall zu unterdrücken, sondern zu fördern, um mutig und entschlossen alles Alte (in Eigenregie) zu überwinden.

Deswegen gilt unser Anspruch etwas Besseres zu erschaffen als die jetzigen Verhältnisse es hergeben, als der Kapitalismus es uns geben kann, und noch wichtiger ist, nie wieder etwas Vergleichbares und Menschenverachtendes wie den Nationalsozialismus zuzulassen. Einen Rückschritt in diese Verhältnisse ist für alle, die nach wirklicher, selbstverwirklichter und emanzipatorischer Freiheit streben auf allen Ebenen und mit allen Mitteln zu bekämpfen. Gerade die lohnabhängige Klasse kann es nicht weiter zulassen gespalten, und selektiv vernichtet zu werden.

Daher rufen wir auf am 27.11.2009 um 18 Uhr am Recklinghäuser Hauptbahnhof

gegen Volksgemeinschaft- für selbst bestimmten Individualismus,
gegen Nationalen Sozialismus- für die freiheitliche, selbst verwaltete Gesellschaft

zu demonstrieren.

Wir wollen den Kuchen und kein Brot. Wir wollen alles für alle! Den ganzen verdammten Laden!

Klasse gegen Klasse – ASJ Herne/Recklinghausen




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