Zu Debatte und Diskurs in der libertären bzw. linksradikalen Bewegung

Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
Genossinnen und Genossen,

wir, die Anarchistisch Syndikalistische Jugend Herne/Recklinghausen, heißen euch willkommen auf der Vorabenddemonstration anlässlich des morgigen Naziaufmarsches hier in Recklinghausen.

Der morgige Naziaufmarsch ist unter anderem ein Vorwand, um auf Hintergrund der Finanzkrise, entstandene Existenzängste vieler Menschen zu missbrauchen, indem sie ihre ganz eigene Kritik am kapitalistischen System geltend machen.

Dabei gilt ihr Anspruch ein System zu erschaffen, das seine Vollendung in einer volksgemeinschaftlichen Produktion, abgeschnitten vom Weltmarkt, findet. Ihre Argumentation basiert dabei auf ihrer krankhaften Ideologie von Volk und Rasse aus längst vergangenen Zeiten.

Doch totalitäre, fixierte Ideologien, Gedanken, Vorstellungen und so weiter, sind nicht nur in der rassistischen und faschistischen Argumentationsweise vorzufinden.

Sobald sich eine Ideologie in einen verfestigten Zustand wandelt und fernab jeder Kritik und Selbstreflexion zur einzig und allein geltenden Meinung gemacht wird, dann findet sich in dieser ein totalitärer Anspruch gegenüber allen anderen Gedanken wieder, dessen Auswirkungen denen der Nazis ähnlich ist.

Eine solche Denkweise äußert sich aber nicht nur in den krassesten Erscheinungen totalitärer Systeme, sondern die Gefahr totalitärer Denkweise ist in jedem Individuum, aufgrund gesellschaftlicher “Normal-” Zustände schon vorausgesetzt. Daher ist eine kritische und selbstreflektierte Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken oder der eigenen Gesellschaftsanalyse eine Notwendigkeit, um die eigene Ideologie nicht erstarren zu lassen. Fortschritt und Aufklärung und damit der Weg in die Emanzipation lassen sich nur unter der Voraussetzung verwirklichen, dass das Ziel der eigenen Ideologie nicht darin besteht eine Herrschaftsposition über andere zu schaffen und diese zu erlangen. Die individuelle Freiheit muss daher stets Bestandteil der allgemeinen Freiheit sein. Sie lässt sich nur verwirklichen mit dem Ziel andere Individuen niemals im Bezug auf deren Interessen zu unterdrücken. Daher kann das Individuum nur zur Freiheit gelangen, wenn Kritik und Selbstreflexion bereits Bestandteil des individuellen Zustandes sind.

Beziehen wir das auf die Praxis dann sollten Diskurs und Debatte nicht nur zwischen Einzelpersonen bestehen, sondern müssen auch zur Dynamik bereits bestehender Strukturen wie etwa festen Gruppen beitragen. Vor allem das Erstarren zu einer Einheit ist im Klassenkampf der wohl größtmögliche Fehler. Staat oder Nation als Legitimation des eigenen Handelns vorzuschieben kann widersprüchlicher nicht sein, da Staaten oder Nationen als Gerüst fixierter Ideen und Vorstellungen immer das höchste Maß an Totalität darstellt. Dabei unterscheiden sich weder Ein- noch Mehrparteiensysteme, proletarische Diktaturen oder Autokratien voneinander. Einmal die fixe Idee von Staat und Nation als Ultimatives angenommen, verschreiben sich die in ihnen lebenden Individuen voll und ganz ihrer Totalität.

Der Staat tritt als heimlicher Schiedsrichter des kapitalistischen Systems auf und stellt dieses als seiner Ideologie untergeordnet dar. Das Gegenteil ist der Fall. Die in ihm lebende Bevölkerung fühlt sich der Ideologie des Staates allerdings soweit hingezogen, dass eine sozialrevolutionäre Perspektive durch Hoffnung auf eben jenen Staat verwehrt wird.

Es ist darum wichtig die Homogenität der aktuellen Situation zu durchbrechen!
Das heißt sich aus der Masse gelenkt von falschen Erwartungen und Hoffnungen zu befreien und durch andauernde kritische Betrachtung der gegenwärtigen Lage auf dem Hintergrund der befreiten sozialistischen Gesellschaft stets einen Impuls zum andauernden klassenkämpferischen Prozess zu geben.
Problematische Situationen sind immer Teil eines solches Prozesses. Doch aus Erfahrung von begangenen Fehlern und deren Konsequenzen ziehen wir den Schluß uns fortwährend individuell weiterzuentwickeln.
Nur auf diesem Hintergrund beziehen wir uns eigenverantwortlich und voller Selbstbewusstsein auf den Befreiungsprozess der unterdrückten und ausgebeuteten Klasse!

Teil dieses Prozesses ist der revolutionäre Syndikalismus!

Es geht nicht um DGB-Gewerkschaften, die vereinzelt zu scheinbaren Streiks aufrufen und sich davon Erfolg versprechen!
Es geht auch nicht darum entsprechende Gruppen zu installieren, die mit ihren bereits verfestigten Ideologien den Arbeitskampf zu steuern versuchen!
Es geht darum, sich spontan, selbstverwaltet und basisdemokratisch am Arbeitsplatz zusammenzuschließen!
Es geht darum, kreative und direkte Aktionen zu entwickeln – sei es nun der Boykott, die Besetzung, die Aneignung der Produktionsmittel oder sogar die natürlichste Protestform der lohnabhängigen Klasse, der Streik!

Was könnte revolutionärer sein als eine Basisgruppe in einem Betrieb, die zu allem entschlossen, selbstbewusst dem großen Ganzen gegenüberstehen, sich aber trotzdem einem Prozess ständiger Kritik und Reflexion befindet?!

Wenn dieser Schritt weitere Schritte zur Folge hat und der Kampf in die Aneignung und Selbstverwaltung der Produktionsmittel mündet, dann entwickelt sich eine Funktion mit Vorbildcharakter, der beweist, dass Klassenkampf erfolgreich sein kann.

Für individualistische Selbstbestimmung und Eigenverantwortung!
Für eine sozialrevolutionäre Perspektive!

Darum sagen wir den größten Feinden von Individualismus und Emanzipation den Kampf an!
Darum werden wir morgen den Naziaufmarsch verhindern!




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